GmbH light auf dem Prüfstand

Es hat mehrere Jahre lang gedauert, bis unter dem Druck der Wirtschaftskammer das Mindest­stammkapital für Gesellschaften mbH von € 35.000,- auf € 10.000,- herabgesetzt wurde. Davon muss zumindest die Hälfte bar einbezahlt werden. Was auf den ersten Blick wie eine tolle Vergünsti­gung aussieht, ist in Wahrheit eine Mogelpackung mit explosivem Inhalt. 

Vergünstigung: Das herabgesetzte Mindest­stammkapital führt dazu, dass die Mindest-Körperschaftsteuer von € 1.750,- pro Jahr auf € 500,- reduziert wird. Das gilt auch für bereits bestehende Gesellschaften mit einem Stammkapital von € 35.000,- oder mehr. Das ist die – einzige – gute Nachricht.

Mogelpackung:
Es war das vorrangige Ziel der geänderten Bestimmungen, die Gründung einer GmbH kostengünstiger zu machen und dadurch die Neugründung eines Unternehmens zu er­leichtern. Dazu sollte man sich vor Augen halten,

Es bleibt verborgen, warum die WKO so sehr am Entstehen solcher "Schmalspur-Gesellschaften" interessiert ist? Es sollte doch bekannt sein, dass gerade die Wahl der geeigneten Rechtsform höchste Anforderungen an die Beratung stellt. Steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Aspekte sind ebenso zu bedenken, wie die hohen Anforderungen an das Rechnungswesen einer GmbH, die Offenlegung des Jahresabschlusses beim Firmenbuch, Haftungs- und insolvenz­rechtliche Aspekte und vieles mehr.    

Explosiver Inhalt: Wer meint, mit einer GmbH könne ihm nichts passieren, da die Haftung des Gesellschafters auf das Stammkapital beschränkt ist, liegt falsch. Vielmehr wurde im Gegenzug zur Herabsetzung des Mindest-Stammkapitals die Haftung des Geschäftsführers/Gesellschafters noch verschärft und zwar für alle GmbHs, egal wie viel Stammkapital sie haben und unabhängig davon, wie lange sie schon bestehen.

Gesellschafter, die auch Geschäftsführer sind, haften ziemlich umfassend gegenüber den Gläubigern, gegenüber der GmbH selbst und für einen Kostenvorschuss iZm einem Insolvenzver­fah­ren. Die Haftung beinhaltet insbesondere eine Haftung für Abgabenverbindlichkeiten und Sozialversiche­rungs­beiträge, für allfällige Schadenersatzan­sprü­che der Gläubiger im Insolvenzfall, eine straf­rechtliche Haftung und selbstverständlich für Verbindlichkeiten gegenüber der Bank und anderen Kreditgebern. Die Haftung der Gesell­schafter einer GmbH wegen Unterkapitali­sierung der Gesellschaft, wird gerade bei den "Schmal­spur-GmbHs" zunehmend Bedeutung erlangen.

Als besonders explosiv könnte sich die neue Verpflichtung des Geschäftsführers erweisen, eine Generalversammlung einzuberufen, wenn die Eigenkapitalquote unter 8 % beträgt und die fiktive Schuldentilgungsdauer über 15 Jahren liegt. Bei Gesellschaften mit einem einbezahlten Mindest­stammkapital von nur € 5.000,- werden diese Kriterien sehr schnell erfüllt sein. Was hat man sich wohl bei der WKO gedacht, als man kürzlich alle GmbHs im Jubelton angeschrieben hat, sie sollten doch eine Herab­setzung Ihres Stamm­kapitals in Erwägung ziehen? Das würde bei sehr vielen GmbHs sofort bedeuten, dass diese Kennzahlen erfüllt sind oder sogar ein Insolvenzgrund vorliegt. 

Zusammenfassung: Finger weg von dieser "Schmalspur-GmbH", die auch bereits als "abgesandelte Leitl-GmbH" bezeichnet wurde. Sie erspart letztlich keine Kosten, sondern steigert vielmehr die Haftung für Geschäftsführer und Gesell­schafter auf ein schon fast unerträgliches Ausmaß.


Gewährleistung: Bitte haben Sie Verständnis, dass wir für unsere (hier naturgemäß nur kurz gefassten) Hinweise und Berechnungen keine Gewähr übernehmen können. Verantwortungsvolle Beratung muss alle Umstände des Einzelfalles beachten!