Stundungszinsen, Aussetzungs- und Anspruchszinsen

Ähnlich wie eine Bank, verrechnet das Finanzamt für die Stundung fälliger Steuern Zinsen. Genaugenommen nicht nur für Stundungen und für genehmigte Ratenzahlungen (Stundungszinsen in Höhe von 4 % über dem Basiszinssatz), sondern bereits immer dann, wenn zB eine Einkommensteuer für 2015 später als am 1. Oktober 2016 bezahlt wird. Warum die Zahlung erst später erfolgt, ist unmaßgeblich.

Der häufigste Grund für eine spätere Zahlung ist, dass eben der Steuerbescheid für ein bestimmtes Jahr erst nach dem 1. Oktober des Folgejahres ergeht, was gar nicht besonders ungewöhnlich ist. Kommt es hingegen zu einer Steuergutschrift, werden Zinsen für die Zeit ab 1. Oktober des Folgejahres gutgeschrieben. Das ist der einzige Fall, in dem das Finanzamt sogar Zinsen gutschreibt. Diese Zinsen heißen „Anspruchszinsen“. Der Zinssatz für belastete Zinsen und für gutgeschriebene Zinsen ist gleich hoch und liegt 2 % über dem Basiszinssatz. Für die Zeit zwischen Ablauf eines Jahres zB 2015 und dem folgenden 1. Oktober werden weder Zinsen belastet, noch gutgeschrieben. Wer die Verzinsung ab dem 1. Oktober des Folgejahres vermeiden möchte, kann – unabhängig davon wann die Steuererklärung abgegeben wird – rechtzeitig eine Abschlagszahlung leisten. Routinemässig informieren wir unsere Klienten rechtzeitig von der voraussichtlichen Höhe einer allfälligen Nachzahlung, sodass eine Abschlagszahlung erfolgen kann. Vorausgesetzt natürlich, es ist die Liquidität dafür vorhanden. Andernfalls muss eben der – nicht allzu teure – Kredit beim Finanzamt in Anspruch genommen werden.

Aussetzungszinsen sind zwar gleich hoch bzw niedrig wie Anspruchszinsen, sind jedoch wieder etwas anderes. Sie kommen zur Anwendung, wenn gegen einen Bescheid berufen wird und gleichzeitig ein Antrag auf Aussetzung der Einhebung gestellt wird. Dieser bewirkt, dass auch die vorgeschriebene Steuer gegen die berufen wird, vorerst nicht zu zahlen ist. Wird der Berufung stattgegeben, sind natürlich keine Zinsen zu zahlen. Wird die Berufung hingegen abgewiesen, sind für die Zeit der Aussetzung Zinsen zu entrichten.

Die Höhe der vom Finanzamt verrechneten Zinssätze ändert sich, je nachdem wie sich der Basiszinssatz verändert. Die aktuellen Zinssätze finden Sie hier.


Gewährleistung: Bitte haben Sie Verständnis, dass wir für unsere (hier naturgemäß nur kurz gefassten) Hinweise und Berechnungen keine Gewähr übernehmen können. Verantwortungsvolle Beratung muss alle Umstände des Einzelfalles beachten!