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Besteuerung von Kapitalerträgen und von Erträgen aus Investmentfonds bis 2010

1. Kapitalerträge, die auf ein Depot im Inland zufließen = inländische Kapitalerträge

Alle Kapitalerträge, die auf ein inländisches Bankdepot zufließen, sind sogenannte inländische Kapitalerträge. Inländische Kapitalerträge umfassen daher unmittelbare inländische Kapitalerträge (inländische Bankzinsen, inländische Wertpapiererträge, Dividenden aus inländischen Kapitalgesellschaften) und zusätzlich auch ausländische Kapitalerträge, die im Inland bezogen werden, dh Kapitalerträge, die für ausländische Kapitalanlagen auf einem inländischen Depot anfallen.

Inländische Kapitalerträge umfassen daher:

  • Zinsen aus Einlagen bei einer inländischen Bank
  • Erträge aus Forderungswertpapieren, die auf ein inländisches Depot fließen, unabhängig davon, ob es sich um einen inländischen oder ausländischen Emittenten handelt
  • Gewinnausschüttungen (Dividenden und GmbH-Ausschüttungen) aus inländ. Kapitalgesellschaften
  • Gewinnausschüttungen aus ausländ. Aktiengesellschaften, die über ein Inlandsdepot zufließen
  • Ausschüttungen aus Genussrechten und Genossenschaftsanteilen
  • Erträge (Ausschüttungen und ausschüttungsgleiche Erträge) aus inländischen Investmentfonds
  • Ausschüttungen aus ausländischen Investmentfonds, die auf ein inländisches Depot fließen
  • Ausschüttungsgleiche Erträge aus ausländ. blütenweißen Fonds, die auf ein inländ. Depot fließen

Inländische Kapitalerträge, die der Kapitalertragsteuer von 25 % unterliegen, sind grundsätzlich endbesteuert und müssen daher nicht in die Steuererklärung eingetragen werden.

1.1 Nicht endbesteuerungsfähige Kapitalerträge

Neben den grundsätzlich endbesteuerten Kapitalerträgen gibt es auch nicht endbesteuerungsfähige Kapital¬erträge: darunter fallen Kapitalerträge, die zwar kapitalertragsteuerpflichtig, aber nicht endbesteuert sind (zB Gewinnanteile als echter stiller Gesellschafter) oder Kapitalerträge, die keinem Steuerabzug unterliegen (zB Zinsen aus Privatdarlehen).

Sicherungssteuer bei ausländischen Investmendfonds

In der Kennzahl 367 sind insbesondere anzuführen: Gewinnanteile als echter stiller Gesellschafter (diese sind zwar KESt-pflichtig, aber nicht endbesteuert).

Auf genannte Kapitelerträge bereits angefallene Kapitalertragsteuer ist zum Zwecke der Anrechnung in Kennzahl 365 einzutragen. Ebenfalls hier einzutragen ist eine von der Depotbank einbehaltene Sicherungssteuer. Sicherungssteuer fällt für bestimmte ausländische Investment¬fonds an, wenn der Anleger gegenüber dem Finanzamt keine Offenlegungserklärung abgibt. Die Sicherungssteuer beträgt 1,5 % des Rücknahmepreises. Sie wird von der Depotbank einbehalten und hat keine Abgeltungswirkung, sondern ist eine Vorauszahlung auf die ESt.

In der Kennzahl 361 sind Kapitalerträge anzuführen, die keinem Steuerabzug unterliegen:

 

1.2 Endbesteuerungsfähige Kapitalerträge

Auf Einkünfte gemäß Kennzahl 369 entfallende anzurechnende ausländische (Quellen)Steuer

Endbesteuerungsfähige Kapitalerträge KÖNNEN in die Steuererklärung aufgenommen werden, wenn eine Anrechnung der Kapitalertragsteuer gewünscht ist, „Option zur Tarifbesteuerung“: Kapitalerträge können auf Antrag zum Tarif veranlagt werden, wenn die nach dem Tarif zu erhebende Einkommensteuer niedriger als 25% ist (weil beispielsweise das Gesamteinkommen negativ ist oder weil die Anwendung des Hälftesteuersatzes zu einem günstigeren Ergebnis führt). In diesem Fall sind ALLE Kapitalerträge (inländische und ausländische, die dem Sondersteuersatz von 25% unterliegen) zu veranlagen, wobei darin enthaltene Zinsen mit dem vollen Einkommensteuertarif und darin enthaltene Dividenden mit dem halben Tarifsteuersatz besteuert werden.

In Kennzahl 366 sind jene endbesteuerungsfähigen Kapitalerträge aufzunehmen, die zum vollen Einkommensteuertarif zu versteuern sind (im Wesentlichen Zinsen), in Kennzahl 369 sind endbesteuerungsfähige Kapitalerträge aufzunehmen, die zum halben Tarifsteuersatz zu versteuern sind (im Wesentlichen Dividenden). Korrespondierend dazu enthält Kennzahl 364 die einbehaltene Kapitalertragsteuer.

In den Kennzahlen 773 und 774 sind auf genannte Kapitalerträge anrechenbare ausländische Quellensteuern einzutragen. Anrechenbar sind ausländische Quellensteuern nur insoweit, als dem ausländischen Staat aufgrund von Doppelbesteuerungsabkommen ein Quellenbesteuerungsrecht zukommt. Die Anrechnung ist mit der auf die ausländischen Einkünfte entfallenden inländischen Tarifsteuer begrenzt.

Vor Bescheiderlassung erfolgt automatisch ein Günstigkeitsvergleich durch die Finanzverwaltung, wenn nur private Kapitalerträge umfasst sind. Das bedeutet, dass eine Veranlagung der Kapitalerträge nur dann erfolgt, wenn das für den Steuerpflichtigen günstiger als die Kapitalertragsbesteuerung ist. Liegen auch betriebliche Kapitalerträge vor (Kennzahlen 780, 782 und 784), dann hat der Steuerpflichtige selber die Günstigkeit zu prüfen.

Ausgaben, die mit den endbesteuerungsfähigen bzw. quasi-endbesteuerungsfähigen Kapitalerträgen in Zusammenhang stehen (Depotgebühren, Finanzierungsaufwendungen, Beratungskosten, etc.) dürfen nicht in Abzug gebracht. Das gilt auch dann, wenn zur Tarifbesteuerung optiert wird.

2. Kapitalerträge, die auf ein Depot im Ausland zufließen und ausschüttungsgleiche Erträge aus weißen und schwarzen Investmentfonds = ausländische Kapitalerträge

Ausländische Kapitalerträge sind solche, die auf ein ausländisches Depot zufließen:

  • Zinsen aus Einlagen bei einer ausländischen Bank
  • Erträge aus Forderungswertpapieren (auch inländ. Emittenten), die auf ein ausländ. Depot fließen
  • Gewinnausschüttungen aus ausl. Aktiengesellschaften, die auf ein Auslandsdepot zufließen
  • Ausschüttungen aus ausländischen GmbHs
  • Ausschüttungen aus ausl. Investmentfonds, die auf ein ausländisches Depot fließen
  • Ausschüttungsgleiche Erträge aus ausländischen weißen und schwarzen Fonds, die auf ein inländisches oder ausländisches Depot fließen

2.1. Kapitalerträge aus ausländischen Kapitalanlagen - Option zur Tarifveranlagung

Ausländische Kapitalerträge müssen grundsätzlich in die Steuererklärung aufgenommen werden und unterliegen dem Sondersteuersatz von 25 % (Quasi-Endbesteuerung).

in Verbindung mit Endbesteuerung

In der Kennzahl 754 sind quasi-endbesteuerte ausländische Kapitalerträge in die Steuererklärung einzutragen: ausländische Dividenden, ausländische Zinsen, ausschüttungsgleiche Erträge aus ausländischen Investmentfonds (jeweils ohne kuponauszahlende inländische Bank).

Ebenso wie bei inländischen Kapitalerträgen ist auch bei ausländischen Kapitalerträgen eine Option zur Tarifveranlagung möglich.

In Kennzahl 755 sind jene Kapitalerträge aufzunehmen, die zum vollen Einkommensteuertarif zu versteuern sind (im Wesentlichen Zinsen), in Kennzahl 756 sind Kapitalerträge aufzunehmen, die zum halben Tarifsteuersatz zu versteuern sind (im Wesentlichen Dividenden). Korrespondierend dazu enthalten die Kennzahlen 758 und 759 die anzurechnende ausländische Quellensteuer. Anrechenbar sind ausländische Quellensteuern nur insoweit, als dem ausländischen Staat aufgrund von Doppelbesteuerungsabkommen ein Quellenbesteuerungsrecht zukommt. Die Anrechnung ist mit der auf die ausländischen Einkünfte entfallenden inländischen Tarifsteuer begrenzt.

EU-Quellensteuer, KZ 799

Durch die EG-Zinsrichtlinie, die in Österreich durch das EU-Quellensteuergesetz umgesetzt wurde, werden Zinseinkünfte von natürlichen Personen, die in einem EU-Staat ihren Wohnsitz haben und in einem anderen EU-Staat Zinseinkünfte beziehen, der Besteuerung unterzogen.

Die Erfassung der Zinserträge erfolgt anhand eines Informationsaustausches zwischen Banken und Finanzämtern. Das bedeutet, dass beispielsweise für deutsche Zinserträge eines Österreichers eine Mitteilung von der deutschen Bank an die österreichische Finanzverwaltung erfolgt.

Dieses Meldesystem wird von einem Großteil der EU-Staaten praktiziert. Ausgenommen davon sind Österreich, Belgien und Luxemburg, sowie Schweiz, Liechtenstein, Andorra, San Marino und Monaco. Diese Staaten melden nicht, sondern behalten stattdessen EU-Quellensteuer für Zinserträge, die in EU-Staaten fließen, ein. Die Quellensteuer beträgt von 1.7.2005 bis 30.6.2008 15 %, von 1.7.2008 bis 30.6.2011 20 % und danach 35 %. Der Abzug der Quellensteuer kann durch Vorlage einer Bescheinigung des Wohnsitzfinanzamtes vermieden werden, wenn aus dieser Bescheinigung hervorgeht, dass der Steuerpflichtige seine Zinseinkünfte in der Steuer¬erklärung offengelegt hat.

Bereits einbehaltene Quellensteuer wird in Kennzahl 799 eingetragen und als Vorauszahlung auf die Einkommensteuer angerechnet.

Fazit: Der Steuerpflichtige sollte in seiner ESt-Erklärung auf EU-Zinseinkünfte nicht „vergessen“, denn die österreichische Finanzverwaltung erhält diesbezügliche Informationen im Rah¬men des Meldesystems. Für jene Staaten, die (noch) nicht melden müssen, wie zB Schweiz oder Liechtenstein, sind Zinseinkünfte derzeit mit einer Quellensteuer von 20 % aber schon in 3 Jahren mit hohen 35 % belastet.

2.2. Gutschrift eines überhöhten Kapitalertragsteuerabzuges im Zusammenhang mit negativen ausschüttungsgleichen Erträgen eines Investmentfonds

nur in Verbindung mit Endbesteuerung

In Kennzahl 760 sind negative ausschüttungsgleiche Erträge ausl. Investmentfonds einzutra¬gen, wenn vor Zurechnung dieser negativen Erträge (vier Monate nach Ende des Fondsgeschäftsjahres) eine tatsächliche Ausschüttung stattgefunden hat. Eine Eintragung in diesem Feld bewirkt die Rückerstattung der zuviel einbehaltenen Kapitalertragsteuer anlässlich der Ausschüttung.

3. Substanzgewinne aus Investmentfonds

Tarifversteuerung

In Kennzahl 409 sind Substanzgewinne von ausländischen weißen Investmentfonds einzutragen (diese Substanzgewinne sind auf der Homepage des BMF veröffentlicht).

Die Kennzahlen 444 und 448 sind wiederum für die Option zur Tarifveranlagung heranzuziehen, wobei in Kennzahl 444 die Substanzgewinne von inländischen Fonds und ausländischen blütenweißen Fonds einzutragen sind. Kennzahl 448 ist für Substanzgewinne von ausländischen weißen und ausländischen schwarzen Fonds vorgesehen.

 

Besteuerung von Investmentfonds – welcher Investmentfonds vorliegt und wie er zu versteuern ist (inländischer Anleger und Wertpapierdepot im Inland)

Arten von InvestmentfondsWesentliches MerkmalEintragung in Steuererklärung - Steuerpflicht
Inländische Investmentfondserkennbar an Wertpapier-Kennnummer beginnend mit „AT“NEIN, weil Endbesteuerung
Ausländische Investmentfondserkennbar an Wertpapier-Kennnummer, die nicht mit „AT“ beginnt
  • Blütenweiße Investmentfonds
  • Tägliche Erfüllung der Meldepflichten durch den Fonds an die Österreichische Kontrollbank (Zinsen, Ausschüttung, ausschüttungsgleiche Erträge, etc.)

Homepage der ÖKB: www.profitweb.at

NEIN, weil Endbesteuerung
  • Weiße Investmentfonds
  • Nachweis der ausschüttungsgleichen Erträge durch einen steuerlichen Vertreter:

Homepage des BMF: Liste der ausschüttungsgleichen Erträge www.bmf.gv.at Tools/Investmentfonds

JA, 25 % Sondersteuer

Man nehme die in der Liste angeführten Beträge und multipliziere sie mit der Anzahl der Fondsanteile:
Ausschüttungsgleiche Erträge sind in Kennzahl 754 einzutragen, Substanzgewinne in Kennzahl 409. Negative ausschüttungsgleiche Erträge sind unter bestimmten Voraussetzungen unter Kennzahl 760 zu erfassen.

  • Schwarze Investmentfonds
Weder auf der Liste der ÖKB noch auf der Liste des BMF zu finden

JA, 25 % Sondersteuer

Ermittlung der ausschüttungsgleichen Erträge auf 2 Arten möglich:

„Performance-Besteuerung“: Pauschale Ermittlung der Erträge: 90 % / 10 % - Regel (90 % des Unterschiedsbetrages zw. dem ersten und dem letzten im Kalenderjahr festgesetzten Rücknahmepreis, mindestens aber 10 % des letzten im Kalenderjahr festgesetzten Rücknahmepreises).

Oder Selbstnachweis durch den Anleger mittels Formular E1d und ausländischem Rechenschaftsbericht


Gewährleistung: Bitte haben Sie Verständnis, dass wir für unsere (hier naturgemäß nur kurz gefassten) Hinweise und Berechnungen keine Gewähr übernehmen können. Verantwortungsvolle Beratung muss alle Umstände des Einzelfalles beachten!